
Neue Mitglieder im Stiftungsrat
Die Egon von Neindorff-Stiftung darf seit Oktober'06 zwei neue Mitglieder des Stiftungsrates in ihren Reihen begrüßen:
Herrn Dr. Dietrich Plewa - der bundesweit bekannte Hippologe, ehemaliger Landestrainer der Dressurreiter, erfolgreicher Turnierreiter und Turnierrichter
und
Herrn Wolfgang Arnoldt, Abteilungsdirektor im Regierungspräsidium Karlsruhe
Rückblick auf das 2. Herbstseminar - "Auf dem Weg zur Versammlung"
Das zweite Herbstseminar der Egon von Neindorff-Stiftung am 24.09.2006 erfreute sich wieder regen Teilnehmerzuspruchs.
"Auf dem Weg zur Versammlung" war das Motto, um das es vor vollbesetzter Tribüne im alten Karlsruher Reithaus ging.
Im einleitenden Referat von FN Reitlehrer Armin Dietrich ging es um die Grundgangarten, mögliche Fehler und deren Korrektur. Dietrich befasste sich zunächst mit Begrifflichkeiten wie "schwunghaft/ schwunglos", " Schubkraft", "Tragkraft", erläuterte z. B. warum ein Taktverlust zu Raumverlust führt.
Großen Raum nahm in dem Referat der Schritt ein als schwierigste Gangart, weil in ihm grundsätzliche Ausbildungsmängel am deutlichsten zum Ausdruck kommen. Ein wirklich versammelter Schritt wird auch bei Prüfungen der höchsten Kategorie nur selten gezeigt.
Eingehend wurden Zusammenhänge zwischen Gebäudemängeln und Gangfehlern und die Auswirkungen von Reitereiauswirkung und Ausbildungsweise auf die Grundgangarten erläutert.
Prof. Dr. Ing. Ulrich Schnitzer beleuchtete mit seinem Referat die Pferdeausbildung unter dem Aspekt der angewandten Verhaltensforschung, anhand erlebter und beobachteter Beispiele aus der Praxis. Er beschreibt das Verhältnis Ausbilder-Pferd als Mischung aus Funktionen des natürlichen Sozialverhaltens wie Dominanz, Leittierfunktion, Gefährte Spielpartner, Zugehörigkeit zu einer Gruppe- aber auch Verhalten gegenüber Angreifern. Die Rolle von Dominanz wird relativiert. Die Kommunikation erfolgt über das Verhalten des Ausbilders, dieses steht im Zusammenhang mit dessen Persönlichkeitsmerkmalen. Schnitzer erläuterte die unter Verhaltensaspekten zweckmäßigen Arbeitsstrategien wie Arbeitsklima, Arbeitsaufbau, und das "Belohnungsprinzip", das bis in den Mikrobereich des Reiters hinein - beim Zusammenspiel der Hilfen - das wichtigste Verständigungsmittel mit dem Pferd darstellt. Auch die Ursache und der Umgang mit Widersetzlichkeiten wurden unter Verhaltensaspekten beleuchtet und mit einem eindrucksvollen Beispielt aus dem Zirkus Knie illustriert: Den Angriff eines Hengstes parierte Knie durch geschickte Ablenkung und stellte so die Rangverhältnisse intelligent wieder klar.
Dr. Stefan Wachtarz, Leiter des Reitinstituts Egon von Neindorff-Stiftung, nahm sich in seinem Vortrag der Problematik der Geraderichtung an. An grafischen Darstellungen schilderte der Referent anschaulich anatomischen Möglichkeiten von Krümmungen der Längsachse des Pferdes. Der Ausbilder trifft beim jungen Pferd in der Regel "Händigkeit" als natürliche Schiefe an. Vielfach führen Ausbildungsfehler auch zu angerittener Schiefe. Die reiterlichen Techniken zur Geraderichtung bestehen neben der Herstellung von Losgelassenheit wesentlich in abgestimmter Biegearbeit. Geraderichtung heißt Vorwärtsreiten im individuellen Arbeitstempo und in der Längsbiegung von gekrümmten Linien, auf welchen man reitet. Nur das geradegerichtete Pferd setzt auch seinen Reiter gerade hin und kann seine Kraft und Gangmechanik voll entfalten - weshalb Geraderichtung unabdingbare Voraussetzung jeglicher Versammlungsarbeit zu sein hat. Geraderichtung ist eine Aufgabe, die jedes Pferd lebzeitlich und bis in die höchsten Anforderungen begleitet.
Den Abschluß bildete der Vortrag von Dr. Dietrich Plewa zu den "Lektionen auf dem Weg der Versammlung. Der frühere Landestrainer und Landesmeister mahnte eingangs vor allem zur Geduld bei der Ausbildung. Er stellte den Zusammenhang zwischen Taktreinheit, Losgelassenheit, Konstanz der Anlehnung und Versammlung heraus. Weder langsamer Trab noch schleichender Galopp seien als versammelt anzusehen, noch gejagte Gänge als korrekte Verstärkungen.
Als Richter stellte der Referent fest, daß derzeit auf Turnieren selten wirkliche Versammlung zu sehen sei. Das Bewegungspotential der heute zur Verfügung stehenden Pferde dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, daß Grundsätze der anerkannten Ausbildungslehre häufig mißachtet würden. Er hob darauf ab, daß jedes Pferd seine individuelle Gangmechanik, eigenen Rhythmus und sein spezielles "Arbeitstempo" habe, in dem es sich am besten findet. "Nur was sich losläßt, läßt sich versammeln" zitierte Plewa Egon von Neindorff. Erläutert wurden die Methoden in den versammelten Lektionen. Plewa kommentierte hierzu verschiedene Pferde des Instituts in Seitengängen und Pirouetten. Er kritisierte allgemein die "Springpferdewechsel", die beim Dressurpferd auf mangelnde Versammlung hindeuten. Ein wichtiger Hinweis des Referenten richtete sich darauf, daß es wesentlich die Übergänge sind, die die Versammlung fördern.

Dr. D. Plewa, Dr. S. Wachtarz, Prof. Dr. Ing. U. Schnitzer, A. Dietrich (v. l.)
"ORION" - ein beeindruckender Portugiese
Seit Mitte Juli als Dauerleihgabe im Stall: "Orion" ein mächtiger und ausdrucksvoller Hengst.


Fotos: www.slawik.com
Vier Neue Lippizaner
Ende April erwarb die Stiftung vier Lippizaner in fortgeschrittenem Ausbildungsstadium. Nach einer guten Eingewöhnungszeit stehen sie jetzt den fortgeschrittenen Schülern zur Verfügung.
|
Maestoso Mara, Foto: www.slawik.com |
Pluto XV, Foto: www.slawik.com |
|
Maestoso Gaeta, Foto: www.slawik.com |
Maestoso Santa, Foto www.slawik.com |
Auch der hoffnungsvolle Nachwuchsstar "Landsmann" mußte seine Kollegen auf der Weide im Haupt- und Landgestüt Marbach verlassen und begann seine Schulzeit in Karlsruhe.
Vorschriftsmäßig erledigt er sein Pensum und darf sich dann auf dem Paddock austoben.
Landsmann
Fotos: www.slawik.com
Öffentliche Morgenarbeit und Ausstellungseröffnung der Pferdemalerin Eva Jaeckle am 23.04.2006
An einem sonnigen Frühlings-Sonntag-Morgen fand wieder eine öffentliche Morgenarbeit statt.
Dem interessierten Publikum wurden alle Stufen der Ausbildung von Pferd und Reiter erklärt und mit praktischen Darbietungen belegt.

Fotos: Hans Traut
Dr. Stefan Wachtarz auf "Dictador" Verena Geiger auf "Comtesse"
Reitlehrer Dietrich mit "Alea" Dr. Stefan Wachtarz auf "William"
Im Anschluß wurde die Ausstellung der Pferdemalerin Eva Jaeckle "Die Hengste der Spanischen Hofreitschule" im neu gestalteten "Erinnerungsraum Egon von Neindorff" eröffnet. Sie verbleibt einen gewissen Zeitraum im Institut und ist jeden Sonntag von 10 - 12 Uhr oder nach Vereinbarung zu besichtigen. 

Fotos: Hans Traut
Stiftungsratsvorsitzender Norbert Vöhringer (BM a.D.) Einige Exponate - Das untere Bild wurde
mit der Künstlerin Eva Jaeckle von Stiftung und Förderverein gemeinsam
erworben.
Nach dem Ende des langen Winters findet jetzt endlich die tägliche Arbeit auch wieder im Freien statt. Zahlreiche Schüler und Hausgäste aus dem In- und Ausland nehmen die Ausbildungsangebote in Anspruch.

Fotos: www.slawik.com
Reitlehrer Dietrich Fröhliche Voltigierkinder mit Haflingerstute "Nayma"



