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Reiterjournal: Warum ziehen Ihre Reitschüler das Reitinstitut von Neindorff anderen Reit­schulen oder Vereinen vor?

Axel Schmidt: Unter den Erwachsenen sind es viele, die schon Erfahrungen gerade mit anderen Reitschulen auf sehr negative Weise gemacht haben und die gerne den Weg beschreiten wollen, den wir gehen. Ein weiteres wichtiges Grundprinzip ist, dass man sich untereinander korrigiert und das eben auch selbst zulässt. Man muss nicht vor sich hertragen, dass man Neindorff-Schüler ist, sondern sich aufs Pferd setzen und es durch das Reiten zeigen.

Reiterjournal: Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Ausbildung? Wie lange dauern die Phasen und Schritte?

Axel Schmidt: Den Zeitablauf kann keiner vorgeben, der ist individuell vom Reitschüler abhängig. Die Longenphase geht so lange, bis man verantworten kann, dass der Schüler in der Gruppenstunde nicht herunterfällt. Er muss an der Longe das Pferd antraben und angaloppieren können, sitzen können. Die Sitzschulung fließt immer wieder in den weiteren Unterricht mit ein, damit der Reiter sich nicht auf dem Pferd verspannt. Man versucht auch mal das Sitzgefühl verbal rüberzubringen, was nicht ganz einfach ist. Gefühl kann man nur bedingt vermitteln, das muss man erlernen. Auch später erarbeiten wir zwischendurch etwas an der Longe oder lösen eventuell auftretende Probleme immer wieder in Einzelreitstunden. Wichtig ist auch beizubringen, dass ein Schulpferd ein Lehrpferd ist, das eben nicht auf Knopfdruck funktionieren muss, sondern der Reiter derjenige ist, der lernen muss, die richtigen Hilfen zu geben.

Reiterjournal: Wie sieht ein typischer Ablauf in der Ausbildung eines Ihrer Pferde aus?

Axel Schmidt: Die Ausbildung richtet sich ganz nach dem Pferd, nach dessen Interieur und Exterieur. Man kann nicht sagen, heute mache ich dies oder das. Ich habe ein Ziel ganz im Sinne der Ausbildungsskala - Harmonie, Losgelassenheit und Durchlässigkeit -, wo ich hinarbeiten möchte, alles andere sagt mir dann das Pferd. Nicht das Alter ist entscheidend, was das Pferd kann, sondern der Ausbildungsstand, und daran orientiert sich der weitere Weg: wenn der Rücken gefestigt ist, kann man weitermachen, und eventuell muss man auch ab und an etwas zurückstehen, das ist pferdeabhängig. Natürlich ist auch die Abwechslung ein wichtiger Punkt, deswegen fließt auch die Cavalettiarbeit immer wieder in die Ausbildung mit ein. Als Grundsatz gilt: Man sollte versuchen, sich Zeit zu lassen, denn es ist falsch, ein Pferd zu früh anzupacken, aber man sollte die Zeit auch nicht nutzlos verstreichen lassen und den Zeitpunkt verpassen. Meine Erfahrung ist, dass man bei korrekter Ausbildung staunen kann, wie viel einem die Pferde schenken. Meine ganz eigene Definition für klassische Ausbildung lautet:

Man muss sich oben so bewegen, dass man das Pferd in seiner Ausstrahlung, in seiner Schönheit und in seinen Gedanken nicht behindert.

Reiterjournal: Haben Sie schon einmal ein Pferd oder einen Reiter abgelehnt?

Axel Schmidt: Pferde nur, wenn irgendwelche gesundheitliche Mängel vorhanden waren. Bei Reitern ist es so: Es gilt das Prinzip, dass jeder Reiter seine Chance hat, Er muss sie aber wahrnehmen und er muss sich der Sache verpflichtet fühlen. Reiter jedoch, die einen Scheinerfolg suchen, einfach nur ein paar Tricks erlernen wollen und aus der Reitstunde erst einmal eine Diskutierstunde machen, die können draußen bleiben. Der Reiter soll lernen wollen - von dem Pferd lernen, um zu erfühlen, was er machen muss.

Reiterjournal: Wie würden Sie die wichtigsten Grundsätze bei der Ausbildung von Reiter und Pferd zusammen fassen?

Axel Schmidt: Das Pferd sagt, was zu tun ist. Das zieht sich wie ein roter Faden immer wieder durch die gesamte Ausbildung. Und den Weg durch die von Herrn v. Neindorff schon vorgeschriebenen Grundsätze, nämlich die Reiterei auf den naturgesetzlichen Anlagen des Pferdes aufzubauen, weiter zu beschreiten mit dem Ziel, dass man der Sache so nahe wie möglich kommt und dabei nach bestem Wissen und Gewissen handelt.

Reiterjournal: Was kann und soll das Reitinstitut heutzutage Besonderes leisten?

Axel Schmidt: Das Besondere liegt darin, dass man diesen Weg, der 1949 begonnen wurde und sich stetig weiterentwickelt hat, weiter geht und sich gerade in der heutigen Zeit nicht beirren lässt Dass man in einer Zeit, in der schon vieles aus dem Ruder gelaufen ist, diverse modische Reitweisen auftauchen und die FN mit Vorträgen wie ,Besser Reiten" versucht, wieder zurückzurudern, so weitermacht, wie man gutes Reiten erfühlen und erlernen konnte. Denn wenn jemand einmal auf einem wirklich losgelassenen Pferd gesessen hat, dann ist das wie eine Sucht, dann will man es immer wieder haben. Losgelassenheit aber muss man sich erarbeiten, und losgelassene Pferde kann man in der heutigen Zeit an und für sich suchen. Wir wollen das bewahren, was auch ich beispielsweise in meinen Unterrichtsstunden bei Herrn v. Neindorif erlernen und erfühlen durfte.

Reiterjournal: Ich habe bisher bewusst nicht nach dem Begriff klassisch gefragt, da dieser mittlerweile sehr überfrachtet und in jegliche Richtung interpretiert worden ist. Deswegen etwas anden formuliert Warum verstehen Sie genau diese Art der Ausbildung als erhaltenswert und maßgebend, und was macht sie zukunftsfähig?

Axel Schmidt: Die Reiterei hat sich über 2000 Jahre als Kulturgut entwickelt. Klassisch heißt nicht nur althergebracht, es heißt eindeutig, es heißt auch bewiesen. Und zwar ist es bewiesen worden in der Kavalleriezeit. Wenn ein Pferd gekauft wurde, wollte man, dass es lange hält. Dreijährig gekauft und nach einem Jahr Anreiten, musste es 16 Jahre halten. Das ist eigentlich ein Beweis, es geht schlicht und einfach um die Gesunderhaltung des Pferdes. Das können Sie auch bei unseren Veranstaltungen sehen, bei denen auch noch die 20-jährigen Pferde mit-laufen.

Das Interview führte Daniela Frühauf

Neuigkeiten von unserem Siglavy Slava

Urlaubsbesuch "Von-Neindorff-Stiftung" (Plauschecke)

Verfasst: Mittwoch, den 30. Dezember 2009-08:51

siglavyslava.jpgDie freien Tage sollte man nutzen. Demnach kam es gestern zu dem vereinbarten Treffen mit Herrn Prof. Schnitzer, Von-Neindorf-Stiftung, und Siglavy Slava (v. Siglavy Servola).
Beim Eintreffen war eine deutlich weniger snobistische Atmosphäre der Anwesenden spürbar; eine meines Erachtens positive Entwicklung. In der Halle zwei Pferde: ein junger Iberer und ein Schimmelchen mit bezaubernd charakteristischem Flair: S. Slava.
Mit perfekter Pünktlichkeit hatten Herr Prof. Schnitzer, der junge Reiter Christopher und der Ausbilder und Reitlehrer Axel Schmidt den Hengst punktgenau zur Präsentation vorbereitet.

Was meine Augen sehen, erfüllt mich mit Wohlgefallen. Der bis vor einem Jahr noch völlig heruntergekommene Hengst bewegte sich entspannt und vertrauensvoll unter seinem jungen Reiter, fleißig und zufrieden. In mein Ohr wird geflüstert: "Christopher liebt dieses Pferd abgöttisch", was man am Strahlen des Reiters unschwer erkennen konnte.
Beim näheren Kontakt kommt mir ein freundliches, aufmerksames Pferdegesicht entgegen, das mich neugierig untersucht. 

chris-slava2.jpgIm weiteren Verlauf stellt mir Herr Prof. Schnitzer alle Pferde des Institutes vor und ich bekomme seine beiden Pferde an der Hand und unter dem Sattel vorgestellt. Der Umgang, die Akzeptanz, der Respekt, das Vertrauen waren einfach schön - dieses Wort beschreibt es wohl am ehesten. Deutliches, aber durchweg freundlich zu deutendes "Gezicke" in gewissen Situationen, wurde mit einem Grinsen quittiert, was bei mir und meiner Einstellung natürlich Anklang fand. Das Pferd ist keine Maschine und soll auch keine solche sein. Wir sind auch keine Maschinen und funktionieren auch nicht auf den Punkt.
Dass ich die mittlerweile 27-jährige Holsteinerin des Professors mit dem Prädikat "Tussi" versehen habe, wurde ebenso freudig schmunzelnd angenommen, da wohl spürbar war, dass ich der weißen Lady meinen ganzen Respekt zollte und ihre Persönlichkeit hoch zu schätzen wusste.

In den langen Gesprächen, die wir über dies und das dann führten, lag eine überaus freundschaftliche Atmosphäre in der Luft, obgleich dies unser erstes Zusammentreffen war. 

Einfach ein entspannend schöner Nachmittag.
Siglavy Slava scheint sich mehr und mehr von seinen Jugendjahren zu erholen und das freut uns natürlich ganz besonders!

Dieser Artikel wurde einer Quelle (lipizzanerzucht.bloggospace.de) im Internet entnommen. Autor leider unbekannt.

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Interview von Herrn Schmidt im Cavallo Ausgabe 03/2009: 

cavallo-axelschmidt1.jpg"Ein hoher Hut"

 

Axel Schmidt tritt in große Fußstapfen: der freiberufliche Reitlehrer wird fachlicher und betrieblicher Leiter des rennommierten Neindorff-Instituts in Karlsruhe. Dort will er Bewährtes bewahren und Verschollenes neu entdecken.

 

CAVALLO: Das sind große Fußstapfen, in die Sie treten. Wie fühlt man sich als Neindorff-Nachfolger?

Schmidt: Egon von Neindorff kann und wird niemand je ersetzen. Insofern kann es auch keinen Neindorff-Nachfolger geben. Aber ich stehe voll und ganz hinter dem, was er vertreten hat. Ich werde versuchen, seinen Weg des klassischen Reitens konsequent weiter zu verfolgen und keine Irrwege zu beschreiten.

CAVALLO: Welche Irrwege sehen Sie?

Schmidt: Im Namen der Klassik wird viel Schindluder getrieben. Den Turniersport kann man kaum mehr klassisch nennen, Barock-reiterei ist zumindest fraglich. Ein Dreispitz und eine gepuderte Perücke machen noch keinen Klassik-Reiter. Und der Name Neindorff fällt auffällig oft.

CAVALLO: Warum stört Sie das?

Schmidt: Ich kannte Egon von Neindorff, habe bei ihm Unterricht gehabt und ein Praktikum gemacht. Ich schätze ihn sehr, menschlich und fachlich. Aber ich verwahr mich dagegen, Neindorff-Schüler genannt zu werden. Ich habe ja keines seiner Pferde ausgebildet. Es ist traurig, wenn der Name inflationär benutzt wird. Es gibt aber einige, die das anders sehen.

CAVALLO: Seit vergangenem Jahr unterrichten Sie im Institut. Wie kam es zu der Idee, die Leitung zu übernehmen?

Schmidt: Ich wurde gefragt. Nach intensivem Überlegen mit meiner Lebensgefährtin habe ich zuerst abgelehnt. Der Hut ist zu hoch und zu weit, dachte ich. Aber ich habe damit angefangen, Unterricht und Kurse zu geben. So konnte ich alles kennenlernen und mich in Ruhe einfinden. Das hat mich überzeugt.

cavallo-neindorff1.jpgCAVALLO: Was werden Sie ändern?

Schmidt: Nichts. Das ist genau der Punkt: Das Bewährte bewahren und verschollene Aspekte der klassischen Reitlehre beleben, das sind meine Aufgaben. Dieser letzte Tempel darf nicht verloren gehen.

CAVALLO: Wie wollen Sie das angehen?

Schmidt: Die Aufgabe ist groß. Aber die Voraussetzungen, die Dr. Wachtarz in den letzten vier Jahren geschaffen hat, sind sehr gut. Zum Glück bleiben er und die anderen Reitlehrer dem Institut erhalten.

CAVALLO: Was planen Sie für 2009?

Schmidt: Es stehen gleich 2 Jubiläen an: Der Förderverein wird 20 Jahre alt, Seit 60 Jahren ist die historische Reitanlage im Besitz des Instituts. Beides wird sicher gebührend begangen.